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Ernährung

Kalzium ab 65: was die Studien wirklich zeigen

Die Redaktion von Martagon7 Min. Lesezeit

Glas Milch, ein Stück Hartkäse, eine Schale Joghurt, Mandeln und Broccoliröschen auf einer hellen Arbeitsfläche

Kalzium hat denselben Weg genommen wie Vitamin D: ein breites Versprechen, dann zwei am selben Tag in einer grossen medizinischen Zeitschrift veröffentlichte Synthesen, die seine Reichweite deutlich verkleinert haben. Hier steht, was sie gemessen haben und was bleibt.

Was die beiden Synthesen von 2015 gemessen haben

Die erste versammelte die Studien zur Knochendichte. Ihr Schluss: eine höhere Kalziumzufuhr, über die Ernährung oder über ein Präparat, bewirkt einen Anstieg von rund 1 bis 2 % — real, aber ohne Zunahme über die Zeit und nach Einschätzung der Autoren zu gering, um sich in eine klinisch bedeutsame Verringerung von Frakturen zu übersetzen.

Die zweite untersuchte direkt das Frakturrisiko. Sie findet keinen Zusammenhang zwischen der üblichen Kalziumzufuhr über die Nahrung und dem Frakturrisiko und keinen überzeugenden Beleg, dass eine Erhöhung dieser Zufuhr es senkt.

1–2 %gewonnene KnochendichteGemessene Wirkung einer höheren Zufuhr, die mit der Dauer nicht zunimmt.
0klarer Zusammenhang mit FrakturenDie übliche Zufuhr über die Nahrung ist in der Synthese von 2015 nicht mit dem Frakturrisiko verbunden.
1'000Milligramm pro TagGrössenordnung der Referenzwerte für Erwachsene in der Schweiz; vorzugsweise über die Ernährung zu decken.

Warum der Teller vor der Tablette kommt

Drei Gründe kommen zusammen. Erstens liefern kalziumreiche Lebensmittel — Milchprodukte, gewisse grüne Gemüse, kalziumreiche Mineralwasser, Mandeln — zugleich Protein, Kalium und Magnesium, was eine Tablette nicht tut.

Zweitens werden Kalziumpräparate häufig schlecht vertragen, allen voran Verstopfung und Blähungen. Drittens bevorzugen die europäischen geriatrischen Empfehlungen ausdrücklich die Deckung des Bedarfs über die Ernährung; die Supplementierung bleibt Situationen vorbehalten, in denen das nicht genügt.

Einige gängige Quellen (Grössenordnungen)
LebensmittelPortionKalzium
Hartkäse40 grund 400 mg
Naturjoghurt180 grund 220 mg
Milch2 dlrund 240 mg
Kalziumreiches Mineralwasser5 dlje nach Marke rund 250 mg
Mandeln30 grund 75 mg
Broccoli, gekocht150 grund 70 mg

Die Werte sind Richtgrössen zur Veranschaulichung eines Tages. Sie zeigen vor allem, dass die empfohlene Grössenordnung eher Regelmässigkeit als eine besondere Anstrengung verlangt.

Wann sich die Frage anders stellt

Die Überlegung ändert sich, sobald eine festgestellte Osteoporose, eine Fraktur nach einem leichten Sturz, eine Kortisonbehandlung im Dauergebrauch oder eine Unverträglichkeit besteht, die Milchprodukte ausschliesst. In diesen Situationen werden Kalzium und Vitamin D häufig begleitend zu einer Knochentherapie verordnet, und der Entscheid gehört nicht in die Selbstmedikation.

Häufige Fragen

Soll man ab 65 Kalzium nehmen?

Nicht systematisch. Zwei Synthesen von 2015 kommen zum Schluss, dass eine höhere Zufuhr die Knochendichte um lediglich rund 1 bis 2 % hebt — zu wenig, um das Frakturrisiko zu senken. Vernünftig ist, den Bedarf über die Ernährung zu decken.

Sind Milchprodukte unverzichtbar?

Nein, aber sie sind die dichteste und einfachste Quelle. Ohne sie braucht es eine Kombination aus kalziumreichem Mineralwasser, grünem Gemüse, Nüssen und angereicherten Produkten — und eine Kontrolle, ob die Rechnung aufgeht.

Gehören Kalzium und Vitamin D zusammen?

Sie werden oft gemeinsam begleitend zu einer Osteoporosetherapie verordnet, weil Vitamin D die Kalziumaufnahme fördert. Bei Menschen ohne Knochenerkrankung und mit ausreichender Ernährung hat diese Kombination den erhofften Nutzen nicht gezeigt.

Quellen

  1. Tai V, Leung W, Grey A, et al. Calcium intake and bone mineral density: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2015;351:h4183. doi:10.1136/bmj.h4183
  2. Bolland MJ, Leung W, Tai V, et al. Calcium intake and risk of fracture: systematic review. BMJ. 2015;351:h4580. doi:10.1136/bmj.h4580
  3. Volkert D, Beck AM, Cederholm T, et al. ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clinical Nutrition. 2022;41(4):958–989. doi:10.1016/j.clnu.2022.01.024
  4. Bolland MJ, Grey A, Avenell A. Effects of vitamin D supplementation on musculoskeletal health: a systematic review, meta-analysis, and trial sequential analysis. The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2018;6(11):847–858. doi:10.1016/S2213-8587(18)30265-1
  5. Office federal de la securite alimentaire et des affaires veterinaires (OSAV) / Commission federale de la nutrition. Recommandations suisses concernant l'apport en vitamine D. www.blv.admin.ch

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