Ganggeschwindigkeit: ein einfacher, ernsthafter Wert
Die Redaktion von Martagon6 Min. Lesezeit

Es gibt wenige Messungen, die so einfach und so aufschlussreich sind: die Zeit für wenige Meter im gewohnten Tempo. Sie kostet nichts, gelingt in einem Korridor, und eine grosse Auswertung hat ihr ein solides Fundament gegeben.
Was die grosse Auswertung ergab
Eine in einer grossen medizinischen Zeitschrift veröffentlichte gepoolte Auswertung fasste neun Kohorten und mehrere Zehntausend ältere Menschen zusammen, über Jahre begleitet. Sie setzte die gewohnte Ganggeschwindigkeit — über wenige Meter im spontanen Tempo gemessen — in Beziehung zum Überleben.
Das Ergebnis ist ein gradueller Zusammenhang: bei gleichem Alter und Geschlecht geht eine höhere Geschwindigkeit mit besserem Überleben einher, und jeder kleine Zuwachs zählt. Die Autoren halten fest, dass diese einfache Messung eine Information liefert, die mit jener mehrerer klinischer Parameter zusammen vergleichbar ist.
Der Richtwert von einem Meter pro Sekunde
In der geriatrischen Praxis dient der Wert von einem Meter pro Sekunde als üblicher Lesewert. Darunter schaut man genauer hin; darüber gilt das Gehen im Allgemeinen als erhalten. Der europäische Sarkopenie-Konsens verwendet die Ganggeschwindigkeit im Übrigen unter seinen Schweregradkriterien.
Was der Wert nicht sagt
Er stellt keine Diagnose. Eine tiefe Geschwindigkeit kann von einer Kniearthrose, von Atemnot, von nachlassender Sehkraft, von einem Medikament, von Fussschmerzen oder schlicht von berechtigter Vorsicht auf glattem Untergrund herrühren. Die Zahl zeigt an, dass es etwas anzuschauen gibt; sie sagt nicht, was.
Am aussagekräftigsten ist ohnehin nicht der absolute Wert, sondern seine Entwicklung: eine über wenige Monate eingetretene deutliche Verlangsamung gehört gemeldet, auch wenn der Wert absolut betrachtet in Ordnung bleibt.
Häufige Fragen
Welche Ganggeschwindigkeit ist ab 70 normal?
Der Wert von einem Meter pro Sekunde dient in der geriatrischen Praxis als üblicher Lesewert. Darunter schaut man genauer hin. Er wird immer im Zusammenhang gelesen und stellt keine Diagnose.
Warum sagt die Ganggeschwindigkeit etwas über das Überleben?
Weil sie vieles zugleich zusammenfasst: Herz, Lunge, Muskeln, Gelenke, Sehkraft, Gleichgewicht, Nervensystem. Sie ist ein Summenwert — was den beobachteten Zusammenhang erklärt, ohne dass schnelles Gehen selbst die Ursache wäre.
Wie misst man das zu Hause?
Vier Meter im Korridor abmessen, einen Meter davor aus dem Stand starten, im gewohnten Tempo gehen ohne zu beschleunigen, die vier Meter stoppen und einmal wiederholen; den besseren Durchgang behalten.
Quellen
- Studenski S, Perera S, Patel K, et al. Gait speed and survival in older adults. JAMA. 2011;305(1):50–58. doi:10.1001/jama.2010.1923
- Cruz-Jentoft AJ, Bahat G, Bauer J, et al. Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing. 2019;48(1):16–31. doi:10.1093/ageing/afy169
- Guralnik JM, Simonsick EM, Ferrucci L, et al. A short physical performance battery assessing lower extremity function. Journal of Gerontology. 1994;49(2):M85–M94. doi:10.1093/geronj/49.2.M85
- Paluch AE, Bajpai S, Bassett DR, et al. Daily steps and all-cause mortality: a meta-analysis of 15 international cohorts. The Lancet Public Health. 2022;7(3):e219–e228. doi:10.1016/S2468-2667(21)00302-9